Beschleunigter Fortschritt. Kurt Hörbsts Fotobuch zum Autobahnbau ›S10‹

Vortrag zur Präsentation der Neuerscheinung im Gasthof Blumauer, Rainbach, 30.9.2016 https://projects.hoerbst.com/portfolio/s10/

KURT HÖRBST, S 10, hg. von Rainer Iglar und Michael Mauracher, mit Texten des Fotografen sowie von Bodo Hell und Adalbert Stifter, Grafikdesign: Andrea Zeitlhuber, Salzburg: Bd. 227 der Fotohof Edition, 2016 (Deutsch, Softcover 24 x 32 cm, 176 Seiten, ISBN 978-3-902993-27-4)

Ich beginne mit einem Blick in die Vergangenheit, auf die lange Tradition der Dokumentation von Bauprojekten in der Geschichte der Fotografie. Schon kurz nach ihrer Erfindung wurde die neue Bildtechnologie bei wichtigen Bauvorhaben eingesetzt, etwa um Arbeitsfortschritte zu dokumentieren. Wenn Abrisse nötig waren, hielt man mittels fotografischer Bilder fest, was weichen sollte. So erstellte zum Beispiel die 1850 an der k. k. Hof- und Staatsdruckerei gegründete Fotoabteilung eine aufwändige Serie großformatiger Panoramen von der Abtragung des barocken Befestigungswalls um die Wiener Innenstadt; an Stelle dieses breiten Mauerwerks und teils unter Verwendung der abgebrochenen Ziegel entstand dann die Ringstraße mit den bekannten historistischen Gebäuden wie dem Burgtheater, der Votivkirche oder dem Parlament. Diese wurden bereits kurz nach ihrer Entstehung als Sehenswürdigkeiten gefeiert – und wieder spielte die Fotografie eine zentrale Rolle in der Produktion und Verbreitung von Architektur-Ansichten. Auch im Kontext der Pionierleistungen des Eisenbahnbaus wurde das innovative Medium eingesetzt, um Konstruktionen wie Brücken oder Bahnhöfe, aber auch Lokomotiven und ganze Bahnstrecken visuell überzeugend in Szene zu setzen. Mittels Fotoalben wurden Aktionäre gewonnen und durch ihre Investitionen ganze Regionen industrialisiert, wobei auch die daraus resultierenden strukturellen und sozialen Umbrüche fotografisch festgehalten wurden.

Die Faszination von Bauaufnahmen lässt sich anhand von vier fotografischen Effekten resümieren: Es ist erstens die paradigmatische Eigenschaft der Fotografie, etwas gleichsam objektiv-technisch festzuhalten, ohne dass ein menschlicher Filter dazwischengeschaltet ist, wie etwa indem die Übertragung durch einen Bauzeichner erfolgt oder durch einen Künstler bei der Vedutenmalerei. Obwohl wir heute im digitalen Zeitalter längst um die Manipulationen wissen, die man an fotografischen Aufnahmen vornehmen kann, so prägt dennoch die Vorstellung von der wahrheitsgetreuen Wiedergabe noch immer unseren Umgang mit Fotografie. Zweitens bietet die Fotografie die Möglichkeit, diese Wirklichkeitsaufzeichnungen wiederholen zu können, zum Beispiel über mehrere Bauphasen, was genaue Vergleiche erlaubt – eine moderne Weiterentwicklung dieser Funktion sehen wir etwa in Zeitrafferaufnahmen. Drittens die Option, einen Überblick auf ein Blatt zu bannen, den man selbst vor Ort vielleicht nur mit großer Anstrengung gewinnen hätte können; das Foto lässt sich stattdessen in Ruhe ansehen, zum Beispiel im Wohnzimmer sitzend, wo heute unsere Bildschirme stehen, in denen die neueren Bildtechnologien ihre populärste Verbreitung entfaltet hatten (bevor sie über unsere Handys mobil gemacht wurden). Und viertens faszinierte vor allem die BetrachterInnen des 19. Jahrhunderts eine zuvor nie gesehene Detailfülle in der Wiedergabe – ein Reichtum an Einzelheiten, der ja auch eine Detailtreue ist – und durch große Aufnahmeformate und lange Belichtungszeiten gewährleistet wurde.

Mit den letzten beiden Effekten, dem panoramatischen Überblick mit vielen erkennbaren Einzelheiten, konnte und kann die Fotografie etwas sichtbar machen, was für das bloße Auge kaum wahrnehmbar ist. Die wichtigsten Voraussetzungen dafür sind einerseits besondere Aufnahmestandpunkte, andererseits die Weitwinkeloptik und ein ausreichend großes Bild- bzw. Negativformat. Im Grunde sind diese technischen Bedingungen im heutigen digitalen Zeitalter noch genauso wichtig für die Architektur- bzw. Landschaftsfotografie, jenem Anwendungsbereich, in dem noch immer bevorzugt analoge Großformatkameras eingesetzt werden.

Die 83 Bilder, die Kurt Hörbst in seinem Fotoband ›S10‹ präsentiert, sind alle in dieser Technik aufgenommen, mit einer Linhof-Kamera, dieselbe, die er übrigens auch für seine professionellen Auftragsarbeiten einsetzt für die Architekturfotografie. Was bei einem Vergleich mit seiner Serie über die S10 jedoch sofort deutlich wird, ist sein völlig anderer Zugang zum Thema: Es ging hier nicht um eine reine Darstellung der baulichen Eigenschaften der entstehenden Schnellstraße 10; ebenso wenig sollten Arbeitsabläufe bzw. Baufortschritte als solche erfasst werden, obwohl die Bildfolge im Buch meist einer chronologischen Ordnung entspricht. So gibt es beispielsweise nur wenige Aufnahmen, die am selben Ort entstanden, etwa an den wachsenden Pfeilern der Freistädter Feldaistbrücke, einmal im Winter (66/67) und einmal im Hochsommer (74) oder dann vom sog. Crucianigerüst, das er im Abstand von nur 5 Tagen fotografiert hat. Aber die Blickwinkel und Bildauffassungen sind jeweils so markant verschieden, dass ein praktischer Vergleich, etwa im Hinblick auf ›erreichte Meter pro Woche‹ nicht zu ziehen ist. Außerdem verzichtet Kurt auf eine Gesamtansicht der fertigen Brücke, die als spektakuläres Motiv beispielsweise in einer Baufirmen-Auftragsarbeit sicher nicht fehlen dürfte.

Es wird uns hier also bewusst keine Fotodokumentation mit dem Anspruch auf Vollständigkeit oder auf die möglichst deutliche Illustration technischer, topografischer oder geologischer Information geboten. Stattdessen setzt Kurt die vier erwähnten Effekte gekonnt im Dienste einer spezifischen Ästhetik für ein fotokünstlerisches Projekt ein. Seine Darstellung der werdenden S10 ist eng mit bildlichen Phänomenen verwoben.

Über den Zeitraum von den Sprengarbeiten im März 2012 bis zur Eröffnung im Dezember 2015 wird also nicht die sukzessive Entstehung der Schnellstraße nachgezeichnet, vielmehr werden Ansichten einzelner Bau-Stellen-Momente geboten, die auch für sich stehen können. Die Aufnahmen erfolgten zwar in einer relativen Regelmäßigkeit, aber nicht systematisch. Das über den gesamten Fotoband hinweg Verbindende ist eine Haltung, die sich in einem spezifischen Blick auf die Szenarien manifestiert. Im folgenden versuche ich, anhand einer sequenziellen Betrachtung diesem bildgebenden Modus auf die Spur zu kommen.

Es gibt allerdings zwei Motive, die aus dem Ablauf herausfallen, und zwar das erste und das letzte Bild: Diese Aufnahmen rahmen alles dazwischen wie eine Klammer und bezeugen die Verortung des Fotografen in Rainbach, wo die S10 momentan noch im Planungsstadium ist: Sie entstanden anlässlich von Trassenbesichtigungen mit BewohnerInnen in zwei idyllischen Ecken unseres Dorfes, im ›Grundtoi‹ (Grottental, 05) und in der ›Kranklau‹. In beiden Bildern gewinnen die Landschaften, die als solche wohl noch nie vorher Gegenstand einer fotografischen Aufnahme waren, eine beeindruckende Schönheit, wobei auch der malerisch bewölkte Himmel eine Hauptrolle spielt. Die Einwohnergrüppchen wirken aufgrund der geringen Abbildungsgröße im grandiosen Landschaftstableau fast ein wenig ängstlich zusammengedrängt, sind aber jedenfalls als interessierte Privatpersonen erkennbar. Bemerkenswert ist schon hier eine gewisse Ambivalenz, eine spannungsvolle Relation in den Bildelementen, die wir auch in anderen Motiven finden.

KURT HÖRBST, Lest (Abbruchhaus, neue S10 Trasse), 8.3.2012, Seite 10/11

Zu Beginn, im Frühjahr 2012, richtete sich die Aufmerksamkeit des Fotografen auf das Ausheben und Bewegen der Erdmassen, deren Dimensionen wohl viele Laien überrascht haben (12–16). Indem er diese Erfahrung so eindringlich zeigt, wird deutlich, dass er die Haltung eines interessierten, aber außenstehenden Beobachters einnahm, also jedenfalls nicht die Position einer abgeklärten Experten-Innensicht. Dem entspricht auch sein Verzicht auf erklärende Bildlegenden – angegeben werden lediglich das Aufnahmedatum und der ungefähre Ort, die im Buch erst hinten gelistet sind, offenbar um die Wirkung der Tableaus nicht durch Text zu stören.

Viele Aufnahmen vom Beginn der Bautätigkeiten evozieren einen subtilen Kontrast zwischen Reiz und Schauder: einerseits dem ästhetischen Reiz, ein Stück weit in unsere Erdkruste eindringen zu können und die Schönheit geologischer Schichten und Gefügtheiten im Querschnitt oder die schieren Massen an Erdreich vor sich zu sehen; andererseits erschaudert man vor der Brutalität dieser Verwundungen, vor der Tiefe und Weitflächigkeit der Aufgrabungen in jenem Boden, der für viele BetrachterInnen den physischen Grund heimatlicher Verwurzelung ausmacht. Was diese Bilder aber vermeiden, ist eine allzu spektakuläre oder auch spekulative Dramatik, die sich eindeutig auf die Seite einer kritischen Entrüstung oder euphorischen Begeisterung stellen ließe.

Das wird auch in den folgenden Bildern nachvollziehbar, wo sich bereits punktuelle Bauziele oder etwas größere Zusammenhänge erkennen lassen. Trotz aller erdbewegenden Gigantik behält in diesen Bildern auch die umgebende Landschaft ihre tragende Rolle – am bemerkenswertesten vielleicht in jenen Bildern, die an die Weltlandschaften der Renaissance, etwa von Albrecht Altdorfer aus der Donauschule, erinnern. Hier setzen sich die Hügel- oder Gebirgsketten im Bildhintergrund weit zum Horizont hin fort und relativieren damit gleichsam die großflächigen Umwälzungen im nahsichtigen Vordergrund (22). Der Fotograf spielt viele Tasten auf der Klaviatur seiner Großbildkamera, um den Kontrast der Dimensionen immer wieder ins Bild zu bringen (26) – eine Gestaltungsaufgabe, die perfekt für dieses Thema passt: das Aufeinandertreffen überregionaler Mega-Verkehrsstrukturen auf lokale Gegebenheiten, deren landschaftliche Besonderheit vor allem die Kleinteiligkeit von abwechslungsreichen Terrain-Formationen und Bewaldung ist.

Des Weiteren gibt es Bilder, in denen der Fotograf auch nahsichtigere Baustellen-Szenarios zeigt, also die kleineren Strukturen des gewaltigen Vorhabens in seinen Blick nimmt. Aber auch hier liefert er kaum sachkundliche oder quasi intime Einblicke, – die etwa Innenaufnahmen der Bauarbeitercontainer ermöglicht hätten –, sondern er beobachtet aus einer bewussten Distanz.

KURT HÖRBST, Anschlussstelle Freistadt Süd, 10.1.2013, Seite 60/61

Indem Kurt Hörbsts Bilder also keinen aufklärerischen Anspruch erheben, öffnen sie sich einer Wahrnehmung, die beispielsweise einem beteiligten Arbeiter kaum in den Sinn käme: so wird aus einem überdachten Lagerplatz zwischen Containern eine geheimnisvolle Bühne (34/35), oder aus einem Styroporziegel neben einer umgeschlagenen Plane ein seltsames Relikt (88/89). Die Absurdität von frisch gesetzten Bauteilen, die ins Leere führen, wird durch Perspektive und Lichtführung betont und somit als fotoästhetischer Kontrast ins Bild gebracht (20). Im Zusammenhang mit dem Licht, dem essenziellen bildgebenden Faktor der Fotografie, sei auch auf den nuancierten Einsatz von Farben zur Akzentuierung hingewiesen. Das zeigt sich nicht nur in den pastellfarbenen Nuancen am Himmel, sondern auch an kleinen Bildgegenständen, die als gestalterisch wichtige Farbtupfen im jeweiligen Bildkontext fungieren.

In anderen Kompositionen arbeitet Kurt mit den rhetorischen Mitteln der Personifizierung oder formalen Korrespondenz, worin man ja auch eine gewisse Distanzhaltung zum Bildgegenstand oder Gelassenheit des Fotografen sehen kann; ein Beispiel wäre die Aufnahme von Bauschutthaufen an der Bundesstraße bei Vierzehn vom Oktober 2013 (86/87), wo ein Lastwagen wie ein Gegenspieler des Bungalows am ferneren Waldrand erscheint, beide wie zwei Käfer auf einsamen Posten, ihre Pfründe bewachend. Damit wird über eine kompositorische Beziehung eine wechselseitige Analogie hergestellt, die rhetorisch wie ein Witz funktioniert. Als fotogestalterisches Mittel kommt so etwas übrigens aus der Tradition der humanistischen Reportagefotografie aus den 1950er Jahren, etwa bei Elliott Erwitt oder Henri Cartier-Bresson. Derartige Bild(er)findungen verstecken sich an vielen Stellen in diesem Buch, zum Beispiel wenn Kräne (76/77), Plastikschläuche oder -planen (116, 138/139) in bestimmten Bildkonstellationen wie animiert erscheinen, also gleichsam ein Eigenleben bekommen. Wer selbst schon mal versucht hat, so etwas zu fotografieren, weiß wie schwer es ist, den schmalen Grad zu treffen, auf dem so ein Motiv wirklich funktioniert.

KURT HÖRBST, Freitstadt Nord (Ende der S10), 25.10.2014, Seite 132/133

Es gibt aber auch reportagehafte Aufnahmen, die sich mehr am Prinzip des entscheidenden Augenblicks, also an der Schnappschussästhetik orientieren, was eigentlich im Widerspruch zur Großbildfotografie und ihren langen Belichtungszeiten steht (wodurch etwa vorbefahrende Autos verschwommen auftauchen); Bildthema sind hier eine Reihe von provisorischen Verkaufsständen in den Landzwickeln zwischen alter und neuer Straßentrasse.

Solche Beispiele für Privatinitiativen, sich mit den Veränderungen zu arrangieren, wechseln sich in der Sequenz der Buchseiten mit ganz anderen Bildern ab, nämlich solchen von riesigen Bauwüsten. Mitunter bedecken diese wie Gletscherzungen mehr als die Hälfte der Bildfläche. Auf einer fast abstrakten Aufnahme (104/105) wird dann ein Blickwechsel spürbar, der wohl auch mit den Baufortschritten im Jahr 2014 zusammenhängt, dem Ausblick auf ein Ende der Operation, nach meiner Leseweise versinnbildlicht als schmaler Lichtstreifen hinter aufgeworfenen Erdwällen. Und ein Bild weiter, in einem Blick über die Unterflurtrasse in Lest (106) rutscht das Verhältnis zwischen Altem und Neuem sozusagen in die Waage, formal gebildet von der bildmittigen Bundesstraße, über der sich die Häuser erheben – im Bild sind diese zwar nur halb so hoch wie der Graben tief, aber immerhin gibt das große Stück Himmel darüber Luft zum Aufatmen. Durch ein Auto im Vordergrund wird zudem deutlich, dass die Häuser durch die perspektivische Verzerrung verkleinert dargestellt sind oder anders gesagt: in Wirklichkeit größer, nicht bedroht, sondern vielleicht so etwas wie respektiert sind.

Schließlich findet sich ein fast idyllisches Bild einer Art von Versöhnung (125): von der fertig asphaltierten Autobahn bei Manzenreith blickt man auf einen schönen Vierkanter in mittlerer Ferne, davor friedlich weidende Kühe – ein Landschaftsmotiv übrigens, das genau dem entspricht, was man sich in den 1930er-Jahren für einen Blick von der Autobahn vorstellte. Damals wurde die Autobahn erstmals definiert, als Bahn zum zügigen Vorankommen, um dem Automobilisten ein ›Landschaftserlebnis‹ zu ermöglichen. Wie weit wir uns heute von solchen Ideen entfernt haben, wo der Verkehr möglichst unsichtbar und lärmgeschützt und somit ohne Ausblick auf die Landschaft geführt werden muss, zeigen die Pfeiler am Straßenrand, die für noch fehlende Wandverkleidungen vorgesehen sind. Sie schließen auf Kurts Bild genau mit der Horizontlinie ab, dh. nach dem Anbringen des Lärmschutzes ist von der Umgebung der Trasse nur noch der Himmel sichtbar.

KURT HÖRBST, Neumarkt (Eröffnung der S10 mit dem S10-Lauf), 12.12.2015, Seite 168/169

Die letzte Gruppe an Bildern, über die ich hier sprechen möchte, widmen sich der Eröffnung der S10 Anfang Dezember 2015 und beschließen die Bildstrecke. Die an sich ziemlich gute Idee, diese Eröffnung mit einem Wettlauf zu feiern, konnte wohl aufgrund der Jahreszeit keine ganz großen Läufer-Massen auf die Bahn locken. Allerdings führten diese Umstände, jedenfalls und gerade in den Aufnahmen von Kurt, über den konkreten Anlass hinaus zu aussagekräftigen Bildern. Als bescheidene Gruppe einzelner Menschen bzw. quasi als BenutzerInnen, EndverbraucherInnen, BewohnerInnen, Privatpersonen, und nicht als BauarbeiterInnen, IngenieurInnen, InvestorInnen oder EntscheidungsträgerInnen, fügen sich die LäuferInnen etwas zaghaft und unorganisch ins Bild der großen Straße. Zwar kann man auch hier den Reiz jener Grenzüberschreitung nachfühlen, die darin besteht, sich zu Fuß auf einer mehrspurigen Autobahn aufzuhalten. Als Bild aber scheinen mir diese Aufnahmen besonders deutlich vor Augen zu führen, in welch krass unterschiedlichen Dimensionen die Technik, die Wirtschaft, die Natur und das individuelle Leben sich abspielen.

Das Fotobuch ›S10‹ präsentiert Aufnahmen, die als Sinnbilder für aktuelle Transformationen unserer Gesellschaft lesbar sind. Im Medium der Großbildfotografie zeigt es uns symptomatische Faktoren eines Kräftespiels, wie es sie besonders eine Großbaustelle zu Tage bringt. Auch wenn fähige Menschen, die ihre Berufe verantwortungsvoll ausüben, die planvolle Realisation einer solchen Operation möglich machen, so wissen wir, das hier der einzelne Mensch als Individuum kaum eine Rolle spielt. Die antagonistischen Hauptrollen spielen ökonomische Interessen in Verbindung mit wirtschaftspolitischen Entscheidungen sowie die Natur, verstanden als »Erde, die sich der Mensch zum Untertan macht«. So gesehen sind Kurt Hörbsts Bauaufnahmen vor allem Bilder von Landschaft als Schauplatz eines unaufhaltsamen Fortschritts mit seiner Tendenz zur Beschleunigung und dem Antrieb zur scheinbar endlosen Steigerung von Produktion, Verbrauch und Verkehr.