Dennis Stock, James Dean in Fairmount, Februar 1955

Katalogtext zu Los 147 der ›100 Jahre Leica Auktion‹ am 23.5.2014 in Wetzlar, Am Leitz Park. Schätzpreis € 7000–9000. Publiziert in: 100 YEARS OF LEICA, WestLicht Photographica Auction, Wetzlar, hg. von Peter Coeln, Wien 2014, S. 316f.

DENNIS STOCK, James Dean in Fairmount, Indiana, Februar 1955. Vintage Silbergelatineprint, 20,5 x 29,6 cm, rücks. Fotografen-Copyrightstempel in violetter Tinte, Neg.-Nr.-Stempel ›56-7-35/31‹ in blauer Tinte, div. Beschriftungen. Courtesy: Westlicht Photographica Auktion, Wien

Die Aufnahme entstand im Februar 1955, als Dennis Stock (1928–2010) den 24-jährigen Filmstar im Auftrag der Zeitschrift Life an verschiedene Schauplätze in New York und an den Ort seiner Kindheit begleitete (es sollte James Deans letzter Heimatbesuch sein, er verunglückte im September desselben Jahres tödlich mit seinem neuen Porsche Speedster). Davor hatte Dean die Dreharbeiten für East of Eden beendet, wo er in der Rolle des Cal Trask seinen kometenhaften Ruhm und sein Image als ungestümer, melancholischer Rebell begründete. Als er posthum zum Idol wurde, begünstigte diese Reportage auch Dennis Stocks Karriere nachhaltig.

Das bäuerliche Fairmount hatte Dean geprägt, der hier nach dem frühen Tod der Mutter in der Familie seines Onkels aufgewachsen war. Stock fotografierte ihn u.a. auch mit Schweinen, Kühen und in seinem alten Schulklassenzimmer. Unterwegs mit seinem kleinen Cousin Markie fand Dean am Friedhof auf dem Grabstein eines Vorfahren zufällig den Namen ›Cal Dean‹, der den Vornamen des fiktiven Charakters mit jenem der ›realen‹ Person verbindet. Von diesem Motiv sind mehrere, sehr ähnliche Aufnahmen bekannt, von denen einige Prints mit fälschlichen Negativnummern beschriftet wurden – wodurch die (realiter unmögliche, da nach dem Tod des Dargestellten liegende) Datierung auf 1956 auch in Publikationen auftaucht. Da dieser fälschliche Datumsstempel aber vom Magnum Büro ausging, wo der Irrtum passierte, gilt er paradoxerweise als Authentizitätsnachweis für frühe Abzüge, also Vintagesprints.

Das vorliegende Motiv aus der Friedhofsserie zeigt im Vergleich zu anderen Beispielen wenig Umgebung und dafür mehr von der Hauptfigur. Hinsichtlich der Spannung zwischen Deans Blick ins Off und bildeinwärts weisenden Elementen, über seine Hand auf der Schulter von Markie und dessen Wendung zum Grab, handelt es sich um die dynamischste Fassung.

Lit.: ›Moody New Star‹, in: Life, New York 1955, March 7, p. 125f. [aus ders. Serie]; Dennis Stock, James Dean Revisited, New York 1978/Munich 1986; Thomas Buchsteiner, Markus Hartmann, Dennis Stock (Hg.), Dennis Stock – Made in USA. Photographs 1951–1971, Ostfildern 1995, S. 69; Hans-Michael Koetzle, Photo-Icons. Die Geschichte hinter den Bildern. 1827–1991, Köln 1996/2005, S. 232-241; Claudia Springer (Hg.), James Dean Transfigured: The Many Faces of Rebel Iconography, Austin 2007, S. 188.