Robert Capa: China 1938

Konzept, Werkverzeichnis und Texte zur Ausstellung in der Leica Galerie Wien, 12.2.–13.4.2013; Raumgestaltungsplan: Rebekka Reuter

Porträt des Fotografen Robert Capa mit seiner Contax II auf einem von China eingenommenen japanischen Panzer, April 1938, Taierzhuang (kein Bildautor bekannt; Exponat im Entrée zur Ausstellung)

Der 25-jährige Robert Capa galt 1938 bereits als bedeutender Kriegsreporter, nachdem er kurz zuvor, mit dem Bild eines fallenden Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg, eine fotografische Ikone des 20. Jahrhunderts geschaffen hatte. In China arbeitete er im Auftrag des Life Magazine und als Kamera-Assistent für den Niederländer Joris Ivens, der hier für seine Filmdokumentation ›The 400 Million‹ drehte. Das Thema beider Aufträge war die erste Zeit der Invasion Japans in China. Der verlustreiche militärische Konflikt hatte im Juli 1937 als Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg begonnen und endete 1945 als Teil des Zweiten Weltkrieges.

Capas siebenmonatiger China-Aufenthalt fiel in jene Phase des Krieges unmittelbar nach dem Massaker von Nanking, als die Stadt Hankou vorübergehend Regierungssitz war. In dieser zentralchinesischen Stadt am Zusammenfluss des Jangtsekiang und des Han-Flusses dokumentierte er die Propaganda der nationalistischen Partei Kuomingtang, Truppenübungen und Luftangriffe der Japaner. Etwa 500 km südöstlich davon, bei der Schlacht von Taierzhuang, konnte er die entscheidenden Abwehrkämpfe aus nächster Nähe aufnehmen. Weitere Reportagen widmeten sich der Flutung weiter Gebiete am Gelben Fluss, mit der man die Japaner aufzuhalten versuchte, sowie den Zerstörungen nach massiven Angriffen der Japaner in der zweiten Jahreshälfte 1938.

Neben den allerorts gegebenen Gefahren des Kriegsjournalismus war Capas Arbeit in China besonders herausfordernd: Die weit voneinander entfernten Schauplätze erreichte er nur in langen Zugreisen bei großer Hitze; eine Reihe von Bildern verlor er aufgrund von Laborproblemen; vor allem aber war er durch strenge Restriktionen der nationalistischen Regierung eingeschränkt – da sich alle Journalisten nur gemeinsam und unter Kontrolle der mitreisenden Beamten bewegen durften, waren exklusive Reportagen praktisch unmöglich. Untersagt waren auch Aufnahmen, die die drastische Armut der Bevölkerung zeigten sowie jeder Hinweis auf Mao Zedong, den großen kommunistischen Gegenspieler des regierenden Nationalisten Chiang Kai-shek.

Capas Bildsprache ist deutlich von den Möglichkeiten der Kleinbildfotografie geprägt, wie sie durch die handlichen Kameras, ihre lichtstarken Objektive und die neuen, besonders empfindlichen Filmemulsionen eröffnet wurden. Im Spanischen Bürgerkrieg – und davor seit 1932 – hatte Capa mit einer Leica II und einer Leica III fotografiert. Seine Auftraggeber unterstützten ihn im Mai 1937 bei der Anschaffung einer Contax II, mit der auch seine China-Aufnahmen entstanden. Diese Kamera kam Capas Arbeitsweise besonders entgegen, da sie eine sehr rasche und einfache Einstellung von Schärfe und Belichtungszeiten erlaubte.

Die unmittelbare Reaktion des Fotografen auf ein kaum vorhersehbares Geschehen erfordert nicht nur eine schnelle Auffassungsgabe und ›blinde‹ Vertrautheit mit aufnahmetechnischen Bedingungen, sondern vor allem eine souveräne Sicherheit in der Bildfindung. Diese gewinnt Capa aus seiner unmittelbaren Beteiligung, der körperlichen Nähe zu den fotografierten Ereignissen und seine Identifikation mit den politischen Zielen der Protagonisten. Darin zeigt er sich als ein Vertreter jener Haltung, die als Concerned Photography in die Geschichte einging und die man heute vor allem mit der legendären Agentur Magnum verbindet, welche er 1947 mitgründete.


Exponate (Auswahl)

ROBERT CAPA, Parade, Hankou, 12. März 1938, Silbergelatineprint 16 x 23,5 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Capas Reportage zu den Feierlichkeiten in Hankou erschien bereits vier Tage später im LIFE-Magazin. Der Präsident Chiang Kai-shek hatte nach dem japanischen Massaker in Nanking wichtige Behörden seiner Regierung in diese Stadt verlegt, die heute Teil von Wuhan ist. Die Transparente an der Spitze der Parade zeigen Sun Yat-sen (1866–1925), Gründer der Nationalpartei Kuomintang, die die Republik China bis zur Machtübernahme der Kommunisten 1949 regierte. Die roten Flaggen tragen das Symbol einer weißen Sonne mit 12 dreieckigen Strahlen auf blauem Grund. Man feierte mit dem Andenken an den Parteigründer auch militärische Erfolge gegen die japanischen Invasoren, um weitere Kräfte für den Konflikt zu mobilisieren.

ROBERT CAPA, Junge Rednerin, Hankou, 12. März 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Die Einbindung von Jugendorganisationen in die politische Propaganda sicherte Chiang Kai-shek eine breite Basis, um den Angriffen der Japaner standzuhalten. Die Zeitschrift LIFE widmete in der Ausgabe vom 9. Mai 1938 der von Kindern durchgeführten Propaganda eine Doppelseite mit Capas Aufnahmen. Das Bild der jungen Rednerin lässt sich auch als Beispiel für die beginnende Gleichstellung der Frauen hinsichtlich Rede-, Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit in China lesen – und ist darin allerdings weniger repräsentativ für die Ideale der Nationalisten als jene ihrer ideologischen innerpolitischen Feinde, den Kommunisten.

ROBERT CAPA, Pfadfinder-Aufmarsch, Hankou, 12. März 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Die Transparente zeigen Karikaturen der japanischen Invasoren und US-Dollarzeichen auf Geldsäcken. Die Haltung der USA zum Krieg war ambivalent: Einerseits verurteilte man die Invasion als faschistischen Übergriff auf eine friedliche, prosperierende Kultur und spendete beträchtliche Summen, andererseits war man aufgrund der innerpolitischen Kämpfe zwischen chinesischen Nationalisten und Kommunisten skeptisch. So lieferte die USA den Japanern zunächst kriegswichtige Rohstoffe. Nachdem sich diese mit Italien und Nazi-Deutschland verbündeten, verhängten die USA 1940 ein Embargo über Japan – eine Entwicklung, die schließlich in Pearl Harbor gipfelte.

ROBERT CAPA, Redner einer Versammlung, Hankou, März 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Kundgebungen, in denen zum Kampf gegen die Invasoren motiviert und auch Geld gesammelt wurde, fanden häufig in den Straßen statt. Dieser Redner hält seine Notizen sowie einen Strohhut für die anschließende Spendensammlung. Er fordert die Einigung aller chinesischen Völker und Parteien im Kampf gegen den japanischen Aggressor. Seine Ansprache ist in einer Szene von ›The 400 Million‹ im Originalton (mit eingespielter Übersetzung) zu hören, jenem Dokumentarfilm von Joris Ivens und John Fernhout, an dessen Dreharbeiten Robert Capa während seines China-Aufenthaltes beteiligt war.

ROBERT CAPA, Büro zur Koordination militärischer Aktionen, Hankou, März / April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Die Aufnahme entstand während der Dreharbeiten zu ›The 400 Million‹. Im Film wird erklärt, wie von einem derartigen Büro zur spontanen Beteiligung am Kampf aufgerufen werden kann. Zu sehen sind Reisbauern, die direkt vom Feld rekrutiert und in Aufstellung gebracht werden. Diese Kräfte, ausgerüstet mit allem was gerade zur Hand ist, sollten mit Guerilla-Taktiken den japanischen Divisionen ihre Nachschub- und Kommunikationswege abschneiden. Diese Taktik war bereits im chinesischen Bürgerkrieg von der kommunistischen Miliz eingesetzt worden.

ROBERT CAPA, Training der nationalistischen Truppen, bei Hankou, März / April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Beim Aufbau einer kompetenten Armee wurde Chiang Kai-shek seit den späten 1920ern von Deutschland unterstützt. Hans von Seeckt war 1933–35 deutscher Berater für Übersee-Wirtschaft und militärische Entwicklung in China. Er entwarf Grundlagen für eine zentralisierte militärische Organisation mit einem professionellen Offizierskorps und gründete eine Trainingseinheit mit Vorbildfunktion. Unter Seeckts Nachfolger Alexander von Falkenhausen sowie dem Druck der japanischen Invasion wurden seine Ideen rasch umgesetzt. Die Aufnahme zeigt Truppen aus nächster Nähe in Bewegung, wobei die Unschärfe Authentizität suggeriert – eine Bildsprache, für die Capa berühmt wurde.

ROBERT CAPA, Voll besetzter Zug bei Taierzhuang, Anfang April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Entscheidend für die Manöver der chinesischen Truppen waren auch Zugsverbindungen – erst kurz vor Ausbruch des Krieges hatten deutsch-chinesische Abkommen deren weiteren Ausbau ermöglicht. Dementsprechend umkämpft waren die Knotenpunkte der Bahnstrecken, etwa an der Front um die Stadt Xuzhou im Norden der Provinz Jiangsu. Der Angriff der Japaner auf Taierzhuang war Teil ihres Plans zur Einnahme von Xuzhou. Robert Capa reiste, gemeinsam mit dem Produktionsteam des Films ›The 400 Million‹ per Zug nach Taierzhuang, wo sie die entscheidende chinesische Abwehrschlacht dokumentieren konnten. In umgekehrter Richtung waren zahllose Flüchtlinge und Verletzte unterwegs, denen Capas Komposition ein Denkmal setzt.

ROBERT CAPA, Barbier bei der Arbeit, Umgebung von Taierzhuang, Anfang April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Vermutlich aus dem Zug fotografiert, zeigt diese Aufnahme einen Barbier, der in seinem Rückenkorb alles zur Arbeit Nötige mitführt und auf der Straße arbeitet, wie es in China seit Jahrhunderten üblich war. Capa konnte auf seiner Chinareise nur relativ wenige Bilder aufnehmen, die das Alltagsleben in schwierigen Zeiten darstellen – wäre dabei doch unweigerlich auch die enorme Armut der Chinesen ins Bild gekommen, die zu fotografieren von Chiang Kai-sheks Regierung unterbunden wurde. Die Szene hat überdies einen hohen symbolischen Gehalt: Vor der Revolution 1911 waren Zöpfe Ausdruck der Kaisertreue und Barbiere fungierten auch als Denunzianten Abtrünniger. Nach der Revolution waren kurze Haare Ausdruck einer republikanischen Gesinnung.

ROBERT CAPA, Transportzug, Umgebung von Taierzhuang, Anfang April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Die Aufnahme zeigt den Transport von Geschützen und Soldaten an die Front, unmittelbar vor der Schlacht von Taierzhuang. 30.000 Japaner, die von den zahlenmäßig überlegenen chinesischen Truppen eingekesselt wurden, starteten am 24. März einen Frontalangriff auf die Stadt, die dabei nahezu vollständig zerstört wurde, und besetzten sie. Als die Chinesen am 6. April Verstärkung erhielten, konnten sie die Stadt zurückerobern und die Japaner flüchteten. Es war ein entscheidender – wenn auch kein nachhaltiger – Sieg der Chinesen, nicht zuletzt auch über den Mythos der Unbesiegbarkeit der Japaner, die ihrerseits die Niederlage längere Zeit bestritten.

ROBERT CAPA, Aus der Stadt geflohene Einwohner, Taierzhuang, April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Während ihre Stadt von der japanischen Artillerie in Schutt und Asche gelegt wurde, flüchteten Frauen mit Kindern, Tieren und Hausrat in tiefe Gräben vor der Stadt, die im Zuge der Belagerung vom Militär ausgehoben worden waren. Capa dokumentierte ausführlich die zur Bahnstation wandernden Verwundeten und, wann immer es möglich war, auch das zivile Leben neben dem Schlachtfeld. Der Agenturtext dieses Bildes berichtet von ›delicious dishes‹, die die erfindungsreichen Chinesen sogar in Zeiten des Mangels zu kochen imstande wären.

ROBERT CAPA, Einwohnerin inmitten von Schutt bei einem Tempel, Taierzhuang, 7. April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Bei ihrer Rückkehr in die Stadt fanden die Einwohner praktisch nur noch Ruinen vor. Im Begleittext der Agentur PIX, die dieses Bild vertrieb, wird die Gleichmut und Geduld der leidgeprüften chinesischen Bevölkerung beschrieben. In Taierzhuang, heute ein Stadtteil der Stadt Zaozhuang, gibt es eine Gedenkstätte, die an die historische Schlacht erinnert.

ROBERT CAPA, Passanten beobachten ein Luftgefecht, Hankou, 29. April 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Am 37. Geburtstag des Kaisers Hirohito startete Japan mit 50 Bombern einen Luftangriff auf Hankou. Dieser verlief spektakulär: Das japanische Geschwader konnte von der chinesischen Abwehr über den Köpfen der staunenden Bevölkerung in die Flucht geschlagen werden. Am Ende waren 20 japanische und 12 chinesische Flugzeuge abgeschossen. Capa nahm eine Serie mit den zivilen Beobachtern auf, in deren Gesichtern sich widerstreitende Gefühle von Angst, Faszination, Hoffnung bis Begeisterung zeigen. Capa war mehr an den psychischen Auswirkungen des Krieges auf die Menschen interessiert als an der Befriedigung von Schaulust auf schockierend-blutige Szenen. Seine Reportage wurde im LIFE-Magazin vom 30. Mai 1938 publiziert.

ROBERT CAPA, Soldaten durchqueren überschwemmtes Gebiet, Zhengzhou, Ende Juni 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Am 9. Juni 1938 ließ Chiang die Deiche am Gelben Fluss zerstören, und flutete damit ein Gebiet von 54.000 Quadratkilometern um die japanische Armee aufzuhalten. Für die Überschwemmung wurde der absurde Begriff einer ›kriegsbedingten Naturkatastrophe‹ geprägt, die fast eine Million Tote forderte und Flüchtlingsleid verursachte. Der kriegstaktische Effekt beschränkte sich auf eine Unterbrechung des japanischen Feldzuges gegen Hankou um lediglich einige Monate. Die Überlebenden wurden unter japanischer Waffengewalt zum Wiederaufbau der Deiche gezwungen; erst 1947 waren alle Deiche wieder aufgebaut.

ROBERT CAPA, Generalissimo Chiang Kai-shek, Hankou, 28. Juni 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Das Bild zeigt den 50-jährigen Chiang Kai-shek bei einem Treffen des Obersten Kriegsrates. Der in Japan ausgebildete Generalissimo Chinas versuchte vor allem durch militärische Niederschlagung von Aufständen sein Land zu einen, unter dem Banner der Kuomintang als nationalistischer Einheitspartei. Sein Bürgerkrieg mit den Kommunisten kam nur in der Zeit der Bedrängnis durch die Japaner zur Ruhe. Bei diesem Kriegsrat wurde beschlossen, die professionelle Nationalarmee für gezielte Einsätze zu schonen und die anderen Kräfte, darunter auch die Rote Armee Maos, für eine engere Zusammenarbeit im Landesinneren zu gewinnen.

ROBERT CAPA, Zug mit den reichsdeutschen Militärberatern vor der Abreise, Hankou, 5. Juli 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Im nationalsozialistischen Deutschland sah Chiang ein Vorbild hinsichtlich der Entwicklung von Militär, Industrie und Technologie. Die NS-Regierung tauschte deutsche Produkte und Kooperationen gegen kriegswichtige chinesische Rohstoffe. Nach einem Jahr Krieg waren in China allerdings viele der von deutschen Investoren errichteten Betriebe zerstört. Vor allem aber hatte sich Nazi-Deutschland Japan angenähert – wodurch die 10-jährige Beziehungen zwischen China und Deutschland zerbrachen. Alle Lieferungen nach China wurden eingestellt und die 26 deutschen Berater zurückgerufen. Hitlers Außenpolitik verhinderte jede Wiederannäherung. 1941, nach dem Angriff auf Pearl Harbor, erklärte China Deutschland den Krieg.

ROBERT CAPA, Alexander Freiherr von Falkenhausen, Hankou, 5. Juli 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Alexander von Falkenhausen (1878–1966) setzte nach einer internationalen Karriere für die Reichswehr die Beratungsarbeit Seeckts in China erfolgreich fort. Als er China verlassen musste, versprach er Chiang Kai-shek, er würde niemals seine Arbeit in China offenlegen um damit den Japanern zu helfen. Capas Aufnahme zeigt den 60-jährigen General bei seiner Abreise in ziviler Kleidung. Im zweiten Weltkrieg diente der hochrangige Militär noch an mehreren deutschen Fronten, unterstützte allerdings auch die Hitler-Attentäter und verhinderte Juden-Deportationen. 1953 erhielt Falkenhausen von Chiang Kai-shek einen Scheck über 12.000 US-Dollar als Anerkennung für seine militärischen Beratungsleistungen in China von 1934 bis 38.

ROBERT CAPA, Studenten-Volontäre versorgen Verwundete, Guangzhou, Juli / August 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Die im Perlflussdelta unweit von Hongkong gelegene Provinzhauptstadt Guangzhou, bekannt auch unter dem alten Namen Kanton, war über mehrere Wochen Ziel japanischer Luftangriffe. Von den amerikanischen Medien wurde dies heftig kritisiert, da vor allem Wohngebiete, Kultur- und Universitätseinrichtungen betroffen waren und kaum militärisch oder strategisch relevante Ziele. Die Studenten Kantons wurden für verschiedenste Dienste eingesetzt.

ROBERT CAPA, Frau in Ruinen kauernd, Hankou, Juli 1938, Silbergelatineprint 16,3 x 24 cm. Courtesy: Fotosammlung WestLicht, Wien.

Die Eroberung von Hankou, dem Regierungssitz Chiang Kai-sheks, war das wichtigste Ziel der Japaner im Jahr 1938, mit dem sie den endgültigen Sieg zu erreichen hofften. Ab Juni fand die Schlacht um Wuhan statt, bei der allein 400.000 Soldaten starben. Der japanische Kaiser legitimierte dabei auch den Einsatz von Giftgas. Capa dokumentierte die Zerstörungen nicht nur in Schwarzweiß, sondern belichtete am 19. Juli auch einige Aufnahmen auf Kodakchrome-Diafilm, die als die ersten farbigen Kriegsfotografien gelten. Er verließ China am 22. September in Richtung Paris und reiste im Spätherbst wieder nach Spanien, um dort seine Reportage über den Bürgerkrieg fortzusetzen, während Japan im Oktober schließlich Wuhan eroberte.


Ausstellungsansichten

Ausstellungsraum der Leica Galerie Wien, Walfischgasse, Foto: Peter Jakadofsky

Eröffnungsrede Marie Röbl, Leica Galerie Wien, Walfischgasse, Foto: Peter Jakadofsky