Anton Josef Trčka, Liegender Rückenakt, Wien, um 1925

Artikel zur Online-Präsentation der Fotosammlung WestLicht, veröffentlicht 2012 (seit der Reorganisation und Umbenennung in Fotosammlung OstLicht 2015 abrufbar unter https://www.ostlicht.org/en/collection/highlights)

ANTON JOSEF TRČKA, Liegender Rückenakt, Wien, um 1925. Silbergelatineabzug, 11,7 x 16,7 cm. Rücks. beschriftet ›Foto Ringwerkstaetten‹, nummeriert ›XIV‹. Courtesy: Fotosammlung OstLicht, Inv. 57-00255

Anton Josef Trčka (1893–1940) wuchs als Sohn einer tschechischen Zuwandererfamilie in Wien auf. Er begann seine künstlerische Ausbildung 1911 in Karel Nováks Fotoklasse an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt, arbeitete aber stets auch in Dichtung, Malerei, Plastik und Kunstgewerbe. Erlangte er schon zu Lebzeiten kaum wirtschaftlichen Erfolg, wurde seine Rezeption auch dadurch erschwert, dass 1944 ein Großteil seines Nachlasses durch einen Bombentreffer zerstört wurde. Mittlerweile sind seine Werke aber von der Forschung überaus anerkannt und seine raren Abzüge besonders begehrte Sammlerstücke.

Die Frage, ob Fotografie als kommerziell ausgerichtetes Handwerk oder als eine reiner Gestaltung verpflichtete Kunst zu sehen sei, wurde in den Jahren nach der Jahrhundertwende heftig diskutiert. Eine Verbindung beider Auffassungen, der sogenannten professionellen Fotografie und der Amateur- bzw. Kunstphotographie, bot der Jugendstil. Trčkas wichtigste Vorbilder waren Schiele und Klimt; der Kunstanspruch seiner Aufnahmen zeigt sich beispielsweise in der artifiziellen Inszenierung und in der Orientierung an der präraffaelitischen und symbolistischen Kunst.

Trčka arbeitete seit 1925 im Atelier der Fotografin Hella Katz am Wiener Stubenring und gründete 1926 an ihrer Adresse die ›Ringwerkstätten für Kunsthandwerk und Lichtbildkunst‹, die bis etwa 1934 bestanden. In dieser Zeit schuf Trčka neben Akt- und Tanzstudien zahlreiche Porträts seiner Dichter- und Musikerfreunde aus der Anthroposophischen Gesellschaft, für die er auch Lesungen, Vorträge sowie eurythmische Tanzveranstaltungen organisierte.

An dem hier gezeigten Rückenakt lässt sich seine künstlerische Position deutlich ablesen: Der Einfluss des Jugendstils zeigt sich an der Formalisierung der Figur durch eine geschlossene, schwingende Umrisslinie; um die Liegende sind Tücher drapiert, jenes an der Rückenlehne des Polstermöbels hat Trčka selbst entworfen; eine Topfpflanze ist sorgfältig in die Komposition eingebunden. Schließlich akzentuieren mehrere ins Negativ gezeichnete und am Abzug weiß erscheinende grafische Elemente die Gestaltung, am deutlichsten sichtbar in der Nähe des Kopfes der Frau, aber auch neben ihrem Ellbogen am linken Bildrand sowie am und um den Blumentopf.

Lit.: Monika Faber, Anton Josef Trčka 1893–1940, hg. Rupertinum Museum für zeitgenössische und moderne Kunst, Wien 1999, S. 105.