James Robertson, ›Bombenfestes Lager‹, aus einem Album zum Krimkrieg, 1855

Artikel zur Online-Präsentation der Fotosammlung WestLicht, veröffentlicht 2011 (seit der Reorganisation und Umbenennung in Fotosammlung OstLicht 2015 abrufbar unter https://www.ostlicht.org/en/collection/highlights)

JAMES ROBERTSON, Bombenfestes Lager, aus einem Album zum Krimkrieg, 1855. Salzpapierprint, 22,3 x 29,2 cm. Im Bild in Tinte signiert, am Karton mit Bleistift betitelt und num. ›No 46 Bombproof Magazine‹. Courtesy: Fotosammlung OstLicht, Inv.-Nr. 85-01686

Der russisch-türkische Krimkrieg (1853–1856) begann anlässlich religiöser Streitigkeiten um den Schutz orthodoxer Christen in Jerusalem bzw. im osmanischen Reich. Die katholischen Franzosen und die protestantischen Briten kämpften aufseiten der Türken, um eine russische Machtausweitung in Europa zu verhindern. Die entscheidenden Kampfhandlungen fanden 1854/55 auf der Krimhalbinsel am Schwarzen Meer statt, wo die Alliierten ein Jahr lang die Festung Sewastopol belagerten und schließlich im September 1855 einnahmen.

Traurige Berühmtheit erlangte dieser erste Stellungskrieg durch die schlechte Logistik sowie katastrophale medizinische Versorgung der Truppen, die vor allem in britischen Zeitungen angeprangert wurde. In diesem Zusammenhang sind auch die Krimkriegsaufnahmen von Roger Fenton aus der ersten Jahreshälfte 1855 zu sehen, die diese Vorwürfe implizit entkräften und viele Porträts der Militärs und gestellte Genreszenen zeigen (›picknick-war‹). Fentons schriftliche Aufzeichnungen schildern die widrigen Umstände, mit denen Kriegsfotografen der Kollodium-Epoche zu kämpfen hatten.

Die militärisch entscheidende Phase des Krimkrieges, der Fall Sevastopols, wurde allerdings durch James Robertson (1813–1888) und Felice Beato (1832–1909) fotografisch dokumentiert. Robertson war ein britischer Graveur, der seit 1841 für die osmanische Münze in Konstantinopel arbeitete. Dort eröffnete er in den frühen 1850ern auch ein Fotostudio. Seine Aufnahmen von Denkmälern in Griechenland, Ägypten und Palästina wurden international ausgestellt und publiziert, am bekanntesten blieben jedoch seine Krimkriegsbilder. Robertsons Bilder wurden als detailtreue Dokumentationen der militärischen Camps und der topografischen Beschaffenheit von umkämpften Gebieten und Frontlinien geschätzt.

Die vorliegende Aufnahme zeigt laut Beschriftung ein ›bombenfestes Lager‹. Auszumachen ist ein von labyrinthischen Gräben durchfurchtes Terrain mit jenen geflochtenen Korbzylindern, die man zur Befestigung der Erdwälle verwendete, am Horizont ein Armeezelt. Es ist bekannt, dass Robertson die von den Franzosen bzw. Briten eingenommenen russischen Stellungen um Sewastopol aufnahm. Es könnte sich hier also um einen Teil jenes Systems aus Feldschanzen, Batteriestellungen und Schützengräben handeln, das der russische Ingenieuroffizier und spätere General Eduard I. Totleben zur Sicherung Sewastopols anlegen hatte lassen. Bombenfestigkeit war jedenfalls im Krimkrieg wichtig, wurden doch in diesem Krieg vielfach große Geschütze eingesetzt, wie erstmals auch Bombenkanonen zur Abwehr von Schiffen.