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In Zeiten ubiquitärer digitaler (Bild-)Kommunikation
verliert die Fotopostkarte an Selbstverständlichkeit; ihre ehemals
so beliebten Residuen, Sammelalben oder Sammelsurien an Küchenkredenzen,
Spindtüren oder Pinwänden, werden langsam Kuriositäten.
Eine Funktion, die die topografische Ansichtskarte aber bis heute (noch)
erfüllt, ist ihre Nutzung im Massentourismus als Beleg einer
geglückten Aneignung.1 Wahrnehmungspolitisch
relevante Implikationen des fotografischen Mediums wie Indexikalität,
Beweis- bzw. Dokumentcharakter verstärken diese Dimension
des gesellschaftlichen Gebrauchs. In der NS-Zeit leisteten Fotopostkarten
beispielsweise einen spezifischen Beitrag zur Ausbildung des Hitler-Kultes:
ein vielproduziertes Kartenmotiv für Wallfahrer zum Obersalzberg
zeigt den Führer in intimer Begegnung mit Kindern die Karten
bezeugten die Reise, fungierten als Souvenir wie auch als symbolischer
Ersatz für einen erhofften Händedruck des Führers.2
Aber auch wenn Fotografie scheinbar als reine Reproduktionstechnik zum
Einsatz kommt, manifestieren sich durch sie ästhetische Konventionen
und Bildpolitiken der Ansichtskarte. Kunstpostkarten repräsentieren
etwa beispielhaft den Kanon der populären, vom Massenpublikum akzeptierten
Kunst postalische Standardmaße und detailscharfe Makellosigkeit
korrespondieren hier mit einem konservativen Kunstbegriff und seinen engen
Gattungsgrenzen. Als Postkarte konfektioniert, fügen sich Kunst und
Welt den Klassifikationen der Sammler.
In den 1950er Jahren waren die hier angedeuteten Gebrauchs- und Leseweisen
von Bildpostkarten mehr oder weniger bewusste Aspekte der Erfahrung mit
einem Alltagsobjekt. Marc Adrian nutzte sie zwischen 1956 und 1958 für
eine Serie von bislang kaum bekannten Fotomontagen.3
Diese sind (teils asymmetrisch) auf farbige Untersatzkartons geklebt
indem Adrian zusätzlich noch Fotoecken anbringt, bezieht er sich
dezidiert auf die Praxis der Sammelalben. Viele Motive auf den Postkarten
sind Kunstwerke des Nationalsozialismus: so die Statuen Bereitschaft
und Anmut von Arno Breker oder der plastische Wehrmachtssoldatenkopf
von Hans Bühler Nach dem Kampf; hierzu gehören auch
der Bahnhof des faschistischen Architekten Angiolo Mazzoni in Rom sowie
einige Gemälde. Andere Motive sind einer im 19. Jahrhundert fußenden,
idealistisch-figurativen Kunstrichtung zuzuordnen, die in der NS-Zeit
zwar nicht als Werk der ganz großen gottgesegneten Naturen
(Adolf Hitler) galt, jedenfalls aber den herrschenden Normen entsprach:
so die Skulpturen Halbakt von Theodor Stundl oder Die
Quelle von Edmund Moiret. Außerdem gibt es auch klassische
Ansichtskarten mit (Bau-)Denkmälern und Landschaften. Die einzelnen
Karten sind durch wenige Schnitte, meist an horizontalen bzw. vertikalen
Bildachsen, zerteilt und entlang dieser Schnittkanten wieder zusammengesetzt,
wobei Marc Adrian entweder Teile der Darstellung wegfallen ließ
oder einzelne Abschnitte um 180 bzw. 90 Grad gedreht bzw. an falscher
Stelle anfügte; mitunter verband er auch Abschnitte mehrerer Karten.
Die montierten Teile ergeben am Ende jeweils ein geschlossenes Bildgeviert
mit neuen, verzerrten, gestauchten oder facettierten Büsten, Statuen,
Architekturen oder Komposit-Landschaften. Mehr oder weniger erinnern diese
formal an Kubismus und Futurismus, in den gedrungenen Figurenproportionen
teils auch an Picassos monumentale Phase.
Marc Adrians buchstäbliche Demontagen nationalsozialistischer Kunst
vollziehen also gewissermaßen die Entartung an ihrem
eigenen Idealbild. Doch über 10 Jahre nach Ende der NS-Zeit liegt
der Fokus von Adrians Kritik nicht auf der NS-Kunst(ideologie) per se,
sondern vielmehr auf ihrem Fortwirken im kollektiven Bewusstsein der österreichischen
Nachkriegszeit. Eben diese Perspektive manifestiert sich in der Repräsentation
der von Adrian demontierten Kunstwerke in Form von Fotopostkarten, wie
sie auch noch lange nach 1945 im Umlauf waren.
Gravierende Verluste durch die Judenvernichtung, eine großzügige
Amnestie von Minderbelasteten und weitgehende Verdrängung
(Stichwort Opferthese) führten zu personellen Kontinuitäten
im österreichischen Bildungs-, Medien- und Kulturbereich.4
Verschiedene Topoi des Kunstdiskurses der Nazi-Zeit wurden in den ästhetischen
Wertekanon der bürgerlich-katholisch geprägten Nachkriegsgesellschaft
übernommen. Das Gute, Wahre und Schöne hehrer Kunst
als Gegenbild zu Schmutz und Schund der Avantgarde waren gängige
Schlagworte in den Medien. Die restaurative Grundstimmung in Österreich
musste besonders Marc Adrian auffallen, der sich in den 1950er Jahren
wiederholt und über längere Zeiträume in Frankreich, Italien
und Norwegen aufhielt.5 Eine populäre kunsthistorische
Untermauerung dieses Klimas lieferte das Buch Verlust der Mitte
von Hans Sedlmayr. Ursprünglich als Hetzschrift gegen entartete Kunst
verfasst und nach Kriegsende um rassenideologische Thesen bereinigt, erschien
es seit 1948 in vielen Auflagen. Adrians Montagen wirken mitunter wie
ironische Bezugnahmen auf den von Sedlmayr beklagten Verlust der Mitte:
dieser scheint wörtlich genommen, wenn vornehmlich Mittelteile aus
Bauwerken oder idealtypischen, heroischen oder plakativ posierenden Körpern
fehlen. Auch das Drehen bzw. Kippen von Montageteilen erinnert an Sedlmayr,
wenn dieser Loslösung vom Boden oder Aufhebung
des Unterschieds von Oben und Unten als bedenkliche Symptome antihumanistischer
Kunst anprangert, wobei er auch Zergliederung und Collage
als Beispiele anführt.6
Der weitläufige theoretische Diskurs um Collage und Montage als künstlerische
Verfahren der historischen sowie der Neo-Avantgarde sollte erst nach Peter
Bürgers Theorie der Avantgarde (1974) wieder verstärkt
geführt werden.7 In der Kunstgeschichtsschreibung
gilt jedenfalls die Wiederaufnahme von Prinzipien der von den Nazis verfemten
Vorkriegsavantgarde als ein typisches Merkmal der Kunst nach 1945. Wenn
man Adrians Arbeiten in eine entsprechende Traditionslinie stellen möchte,
dann führt diese zurück zu den Fotomontagen der Dadaisten der
Weimarer Republik und der russischen Konstruktivisten: Mit ihnen verbindet
sie die Strategie der ironisch diffamierenden Kritik, der politisch engagierte
Impetus, wie die auch formale Gestaltung (z.B. ihre asymmetrische Positionierung
auf den Kartons). Diese Kunstbewegungen wurden auch von der Wiener Gruppe
rezipiert, mit der Adrian in diesen Jahren enge Kontakte pflegte.8
Gerhard Rühm kombinierte zeitgleich ausgefallene Fotos aus
Illustrierten und medizinischen Fachbüchern und entwickelte
im Laufe der Jahre eine umfangreiche, komplexe Werkgruppe von Fotomontagen.9
Es gibt ideelle Affinitäten zwischen den beiden Künstlern und
auch punktuelle Verwandtschaften ihrer Montagen, aber ein (hier notgedrungen)
kursorischer Vergleich brächte kaum differenzierte Erkenntnisse für
die zur Diskussion stehende Serie Adrians.10
Um deren Spezifika deutlicher in den Blick zu bekommen, sei auf den Typus
der didaktisch-politischen Montage verwiesen, etwa anhand der bekannten
Hitler-Montagen von John Heartfield.11 Die erste Generation
der Fotomonteure verstand die Montage als technisch-rationales Gestaltungsmittel,
das an die Stelle konventioneller intuitiv-schöpferischer Kunstpraxis
treten sollte. Bei Heartfield stehen die aus verschiedenen Quellenmaterialien
ausgeschnittenen Reproduktionen im Dienste einer oft ironischen, aber
semantisch bzw. politisch klar lesbaren Botschaft, wobei die Zurichtung
der Montageteile, deren Konstellation und Syntax entscheidend für
die visuelle Argumentation sind, die sich vielfältiger rhetorischer
Figuren bedient; sie entlarvt implizit die Konstruiertheit massenmedialer
Bildlichkeit, möchte allerdings ebendort in den Printmedien
ihre Wirksamkeit entfalten. Bei Adrian wird dagegen das Ausgangsmaterial
nicht als Reproduktion von Etwas eingesetzt, sondern ist selbst
als Träger einer spezifischen Bedeutung (populäre Postkarte)
der Rahmen für die ikonische Bedeutung (z.B. Hitler als Kinderfreund).
Die Aussage von Adrians Fotomontagen nimmt sich im Vergleich
zu Heartfields pointierter Kritik am aufkommenden NS-Regime etwas unscharf
aus: ein Fingerzeig auf die nachhaltige Popularität des NS-konformen
Kunstkanons; das Gute, Wahre, Schöne wird derangiert,
aber nicht wirklich kritisiert, eher etwas respektlos verunstaltet12
selbst wenn man dies als ironische Umsetzung von Entartung
bzw. Sedlmayrs Thesen lesen möchte, dann scheint die Simplizität
der Interventionen den Originalen nicht ernsthaft beizukommen.
Denn die Betrachtung der Montagen regt gerade auch durch die Über-
bzw. Offensichtlichkeit der Umgestaltung dazu an, die Figuren in
der Vorstellung wieder zurechtzurücken oder zu vervollständigen.13
Zudem sind die Schnitte zwar auf die Motive abgestimmt, aber ein Vergleich
aller erhaltenen Exemplare zeigt, dass es sich tendenziell um wiederhol-
und austauschbare Schnittmuster handelt. Diese Schnitt- bzw.
Montagemuster scheinen somit vom Inhalt bzw. dem bearbeiteten Material
relativ unabhängig zu sein.14
Für Adrian, der die massenmediale Propaganda der NS-Zeit als großbürgerlicher
HJ-Junge miterlebt hatte, war jegliche künstlerische Praxis suspekt,
die ideologisch dienstbar gemacht werden konnte. Somit war auch die Montage
für ihn kein Instrument, um Botschaften zu vermitteln oder zu kritisieren,
sondern eine elementare Ent-/Koppelungstechnik, die es ermöglichte,
bedeutungsbildende Systeme (um)zu gestalten etwa, um Kunst zu produzieren,
die die Partizipation eines aktiven Betrachters ohne narrative Inhalte
erreicht. So montierte Adrian 1957 seinen ersten Film aus leeren
Farbfilmresten und begann damit seine produktive Arbeit in jenem
Medium, in dem die Montage eine konstitutive Rolle hat (Filmrhythmus,
Einstellungsdauer etc. werden durch sie gestaltbar).15
1957 formulierte Adrian auch seine Theorie des methodischen Inventionismus,
die er die Jahre zuvor in konkreter Poesie umgesetzt hatte. Darin forderte
er die Erfindung neuer künstlerischer Methoden im Sinne von
Algorithmen, die unabhängig von einem Material oder Thema entwickelt
werden, und für die literarische Montagetechniken die Voraussetzung
sind.
Marc Adrians Fotomontagen aus Kunstpost- und Ansichtskarten von 195658
sind für die Geschichte der Fotografie in Österreich bislang
unbeachtete (der insgesamt relativ dünn gesäten) Beispiele einer
künstlerischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit in den Nachkriegsjahrzehnten.16
Im Kontext des uvres sind sie wohl auch als persönliche Abrechnung
mit jener repressiven Kultur(industrie) zu sehen, die die Jugend Marc
Adrians prägte; gleichzeitig als ein experimentelles Feld für
bildnerische Montagetechniken, die er fortan auch in anderen Arbeiten
und Medien nutzte so fanden sie eine Nachfolge etwa in seinen Spiegelmontagen
der 60er Jahre. Die demokratische Zukunft der Montage sah
Adrian jedoch anderswo, und zwar in den Möglichkeiten, mithilfe des
Computers Modelle herzustellen deren wirkung in der umstrukturierung
und desorganisation des bestehenden geistigen und ideologischen gutes
besteht, zerstörung traditionell und konventionell festgelegter begriffssysteme,
denn der Computer sei besonders geeignet zur umordnung des materials,
also zur montage im weitesten sinn.17 Wie weit
diese Eignung zur Umordnung gehen sollte, wurde freilich erst seit der
Verbreitung von Internet, Web 2.0 und der eingangs erwähnten Bildkommunikation
deutlich ein Netz, mit dem bis heute Utopien einer Demokratisierung
von (Informations-)Kultur genauso wie neue Möglichkeiten kommerzieller
Ausbeutung und machtpolitisch motivierter Überwachung verknüpft
werden.
© Marie
Röbl, 2009 / www.textezurfotografie.net
Anmerkungen:
1
Eva Tropper, Medialität und Gebrauch. Die Ansichtskarte als
Fallbeispiel, in: Lutz Musner, Heidemarie Uhl (Hg.), Wie wir
uns aufführen. Performanz als Thema der Kulturwissenschaften,
Wien 2006, S. 103130.
2 Volker Dahm, Obersalzberg bei
Berchtesgaden. Täterort, Touristenattraktion, Lernort, in:
http://www.obersalzberg.de/presse-infos.html (1.11.2001).
3 Die Sammler Gertraud und Dieter Bogner
haben 25 dieser Fotomontagen 1993 direkt vom Künstler erworben und
kürzlich einen Großteil dem Wiener MUMOK als Dauerleihgabe
übergeben. Anna Artaker, Peter Weibel (Hg.), marc adrian,
Kat. Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum, Klagenfurt 2007, S. 22,
34 u. 36 (4 Abb.).
4 Zum österreichischen Kunstbetrieb
und seinen Institutionen in den Jahrzehnten nach 1945 siehe die Aufsätze
von Manfred Wagner und Robert Fleck in: Patrick Werkner (Hg.), Kunst
in Österreich 19451995, Wien 1996, S.106ff; S. 236ff.
5 Anhand eines Hitler-Zitats, wonach
das Werk des Künstlergenies jeder rationalen Beurteilung enthoben
sei, schreibt Marc Adrian 1969: [dieses kunstverständnis] könnte
aus dem munde eines unserer kulturpolitiker stammen und gibt genau die
auffassung wieder, welche auch heute noch in breiten schichten der bevölkerung
über kunst und künstler besteht und welche von einem guten teil
der zeitgenössischen kunsttheoretiker offen oder verschleiert gutgeheißen
wird., in: Anna Artaker, Peter Weibel (Hg.), marc adrian
(s. Anm. 3), S. 252. Die Thematik von Verdrängung der NS-Zeit bzw.
Holocaust-Verleugnung taucht auch in Adrians Filmen auf, etwa in TEXT
III (1966) und NACHFILM (1995).
6 Hans Sedlmayr, Verlust der Mitte.
Die bildende Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts als Symptom und Symbol
der Zeit, Salzburg 1948, S. 150, 154. Für die Verdammung von
Collagen und anderen avantgardistischen Verfahren ließen sich freilich
weitere Beispiele in der Nazi-Kunsttheorie finden.
7 Peter Bürger, Theorie der
Avantgarde, Frankfurt a.M: Suhrkamp 1974. Benjamin Buchloh, Theorizing
the Avant-Garde, in: Art in America, Nov. 1984, New York,
S. 1921. Hal Foster, Whats Neo about the Neo-Avant-Garde?,
in: October, No. 70, Fall 1994, S. 532. Hanno Möbius,
Montage und Collage bis 1933, München 2000..
8 Marc Adrian, kurzgefasste theorie
des methodischen inventionismus (19531957 gemeinsam mit der
Wiener Gruppe u.a. erarbeitet), mit einem Nachwort von Gerhard Rühm
(1980), in: Peter Weibel (Hg.), Die Wiener Gruppe, Kat. La Biennale
di Venezia, Wien 1997, S. 75461. Magdalena Szymanska, Dada und
die Wiener Gruppe, Hamburg 2009.
9 Gerhard Rühm, fotomontagen
19581966, Kat. Museum Moderner Kunst, Wien 1979. Peter Weibel,
Künstlerfotografie in Österreich 19511981,
in: Camera Austria 9/1983, Graz, S. 49f. Gerhard Rühm, weit
weg und ganz nah, Kat. documenta, Kunsthalle Fridericianum, Kassel
2006..
10 Die Affinitäten zeigen sich
deutlicher in späteren Arbeiten Adrians, in denen er manche Schnittmuster
seiner Postkartenmontagen weiterführt, etwa in visuellen Drehbüchern
dreaming doll (1963) sowie in den Spiegelmontagen und optischen
Destruktionen (1966) und Filmen, z.B. TOTAL (1968).
Allerdings richten sich Adrians spätere Destruktionen
ostentativ gegen (oft auch von ihm selbst) fotografierte weibliche Körper
und bedürfen damit etwas anderer Diskussionsgrundlagen als seine
Montagen aus NS-Kunstpostkarten. Rühm montiert seinerseits von Beginn
an vor allem Reproduktionen von weiblichen Stars und Pin-ups, wobei er
diese formal teilweise ähnlich bearbeitet (etwa drastisch beschneidet
oder unter Verwendung mehrerer Exemplare facettiert).
11 Vgl. John Heartfields Fotomontage
für das AIZ-Cover Der Sinn des Hitler-Grußes: Millionen
stehen hinter mir. Kleiner Mann bittet um große Gaben (1932);
Bildanalyse nach Eckhard Siepmann, in: Hanno Möbius, Montage
(s. Anm. 7), S. 220225. Dieser Vergleich ist nicht wertend gemeint,
sondern beleuchtet eine Differenz, die nicht nur historisch und mediensoziologisch
begründet ist (etwa indem Heartfields Hitler-Montagen v.a. für
linke Zeitungen angefertigt wurden und damit dezidiert den Auftrag zur
politischen Aussage hatten), sondern auch durch eine grundlegend andere
Vorstellung von der gesellschaftlichen Rolle von Kunst (was im Folgenden
ausgeführt wird).
12 Darin ähneln sie der wohl
berühmtesten dadaistischen Verunglimpfung anhand einer Kunstreproduktion,
Marcel Duchamps Mona Lisa, L.H.O.O.Q. (1919), ein Ready-made,
das bereits ab 1920 publizert wurde.
13 Dieter Bogner, Kunst ohne
Bewegung ist überflüssig, in: Anna Artaker, Peter Weibel
(Hg.), marc adrian (s. Anm. 3), S. 3151; S. 34: Zu
Adrians Experimentieren mit optischen Bewegungsphänomenen gehört
auch eine Serie von Montagen aus zerschnittenen und neu zusammengeklebten
Postkarten und Fotos. Indem jeweils ein zentraler Teil des Ausgangsbildes
herausgeschnitten wird, beginnt der Blick zwischen den Teilen hin und
her zu wandern, mit dem Ziel im Kopf die Lücke zu schließen.
Die hier angesprochenen rezeptionsästhetischen bzw. partizipatorischen
Aspekte von Adrians Werk stehen m.E. in den Fotomontagen mit deren
bei diesem Ausgangsmaterial unvermeidlichen Inhaltlichkeit
in einem Spannungsverhältnis, das vielleicht auch dazu führte,
dass Adrian diese Technik später mit anderem Bildmaterial und auf
etwas andere Weise fortsetzte.
14 Dies zeigt sich etwa darin, dass
Adrian aus mehreren Exemplaren der Karte mit Theodor Stundls Halbakt
vier (gleichermaßen signierte und auf Karton montierte) Varianten
anfertigte, in denen er verschiedene Schnittmuster durchspielte. Dafür
sprechen außerdem auch 2 Blätter der besprochenen Gruppe von
Fotomontagen, die auf den ersten Blick deutlich herausfallen und daher
aus meiner Diskussion bisher ausgeklammert wurden: anstatt Postkarten
verwendete Adrian hier pornografische bzw. Akt-Fotografien, die er auf
dieselbe Art montierte wie die NS-Postkarten.
15 In BLACKMOVIE I (1957) spielt
die Montage quasi die Hauptrolle. Zur Funktion der Montage im übrigen
filmischen uvre s. Thomas Rothschild, Fehldiagnose Wirklichkeitstreue,
in: Otto Mörth (Hg.), Marc Adrian. Das filmische Werk, Wien
1999, S. 1217.
16 Peter Zawrel, Das Vergessen
erinnern. Über die Ränder der österreichischen Photographie,
in: Fisch und Fleisch. Photographie aus Österreich 19451995,
Kunsthalle Krems, Wien 1995, S. 1224.
17 Marc Adrian, komputer oder
die demokratisierung des ästhetischen bewusstseins (1969),
in: Anna Artaker, Peter Weibel (Hg.), marc adrian (s. Anm. 3),
S. 252.
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