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Michaela Moscouw gilt als fotomediale Aktionistin,
die genderspezifische Klischees und Körperbilder hinterfragt. Die
Selbstinszenierung ist seit den späten 1980er Jahren ihr kontinuierliches
Thema, wobei sie ihre Re/Präsentationsformen und ästhetischen
Verfahrensweisen stets weiterentwickelt und differenziert.
Mit »Bonsai (Miniatur-Selbstinszenierungen)« werden Moscouws
Serien umfangreicher, die Formate wesentlich kleiner, und sie inszeniert
sich erstmals nicht nur im eigenen Studio, sondern auch im Freien
etwa die Hälfte der Bilder sind im Wald aufgenommen. Die Szenarios
werden ihrem Titel aber weniger durch einzelne, dabei ins Bild kommende
Bäume gerecht; auch fernöstliche Anmutungen in Styling und Posen
sind nur sparsam eingesetzt. Durchgängig ist dagegen die auffällige
Wiedergabe von Moscouws Statur, die untersetzt und gedrungen erscheint.
Dies erreicht die Künstlerin durch hohe Kamerastandpunkte bzw. spezifische
Ausrichtungen ihres Körpers sowie durch stimmig ausgewählte
Kleider und Draperien.
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MICHAELA MOSCOUW, »Bonsai (Miniatur-Selbstinszenierungen)«,
1996/7.
20-teilige Fotoserie, SW-Prints auf Barytpapier, je 30 x 24 cm (Bildmaße
26,4 x 18,7 cm). |
Nun bezeichnet »Bonsai« nicht bloß ein knorriges Miniatur-Bäumchen
als vielmehr eine Landschaft in der Schale, die eine Harmonie zwischen
der belebten Natur (Baum), den Naturkräften (Stein, Kies) und dem
Menschen (Schale) darstellen soll, wobei ein junger Baum durch Kulturmaßnahmen
Beschneidung und Drahtung in vorgegebene, kleingehaltene
Wuchsformen gebracht wird. Neben einer damit angelegten allgemeineren
gesellschaftskritischen Interpretation der Serie ist deren Bildkonzeption
auch anhand gendertheoretischer Ansätze lesbar: Die relativ flachen
Bildräume, in denen sich Moscouw der(un)gestalt positioniert, widersetzen
sich der tradierten Kongruenz zentralperspektivischer Bildorganisation
mit einer phallozentrischen Ökonomie des Blicks. Moscouws Körperbild
versagt die diesem Modell eingeschriebene Lust am visuellen Eindringen.
Denn die Verkürzungen und opaken oder glänzenden Verhüllungen
bieten nur wenige der üblichen Raum- oder Volumenparameter der Körperdarstellung,
wozu auch die leicht unfokussierte, dunkeltonige Fotoästhetik beiträgt.
© Marie
Röbl, 2008 / www.textezurfotografie.net
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