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Die beiden Farbfotos, die die Wiener Fotokünstlerin
Friedl Kubelka mit bikiniartigen »Passstücken« posierend
zeigen, dokumentieren künstlerisch-fotografische Praxis der siebziger
Jahre gewissermaßen von ihren (auch abweichenden) Rändern her.
Der Impuls dafür ging von Franz West aus, der seine Arbeiten häufig
von Kubelka fotografieren ließ. Wie viele andere Fotografien von
Personen, die mit Wests »Passstücken« zugange sind um
Beispiele ihrer Handhabung zu geben, entstanden auch diese Aufnahmen nicht
nach einem strengen Konzept, sondern »aus der Situation heraus«.
Die Rollen von Poseur/AkteurInnen oder FotografInnen waren mitunter austauschbar
und auch West selbst beteiligte sich eher an den Aktionen als der Regisseur
organisierter Fotoinszenierungen zu sein. Umgekehrt fungierte West auch
als Protagonist für die konzeptuellen Porträtserien der befreundeten
FotografInnen, neben Kubelka etwa auch Cora Pongracz. Im Falle der vorliegenden
Aufnahmen hatte man ursprünglich so begonnen, dass Friedl Kubelka
hinter der Kamera stand und ihre Klassenkollegin aus der Grafischen Bundes-,
Lehr- und Versuchsanstalt, Martha Hübl, posierte.
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FRIEDL KUBELKA, Friedl Kubelka mit
Passstücken von Franz West, fotografiert von Martha Hübl,
ca. 1977. 2 C-Prints, je 15 x 10 cm. |
Aus verschiedenen Gründen kam es (bislang) nie zu einer Veröffentlichung
dieser Abzüge, die theoretisch drei verschiedenen uvres zuzuordnen
wären. Immerhin dokumentieren sie heute verschollene Arbeiten von
Franz West, auch wenn diese »materialisierten neurotischen Symptome«
hier vielleicht nicht in der Beiläufigkeit benutzt werden, die man
in vergleichbaren Fotos findet. Auch bieten diese Fotos kaum Aufschluss
über die Arbeit der Architekturfotografin Hübl.
Und mit Friedl Kubelkas Fotokunst haben sie nur insofern zu tun, als
dadurch deutlich wird, wie völlig anders sie sich in ihren eigenen
Arbeiten präsentiert: Sie hatte sich in den frühen 1970er Jahren
mehrfach als »Pin-up« in verschiedenen Posen und Dessous im
Spiegel aufgenommen, wobei die Kamera ihr Gesicht verdeckt ein
narzisstisches Setting, das die herkömmliche Macht- bzw. Blickbeziehung
zwischen Fotograf und Aktmodell mehrfach bricht.
© Marie
Röbl, 2008 / www.textezurfotografie.net
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