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Die Fotoserie zeigt Einblicke in abgenutzte,
leere Räume und Nahaufnahmen von einfachen rechtwinkeligen Objekten
(»fehlerhafte, reduzierte Modelle«). Diese Motive sind allerdings
nicht im engen Sinn dokumentarisch festgehalten; denn die schrägen
Blickwinkel und die Wahl der Ausschnitte, die Lichtregie sowie eine weiche
Unschärfe und milchige Pastellfarbigkeit entziehen sie weitgehend
einer sachlich identifizierenden oder auch anekdotischen Lesart, etwa
als fotoästhetisch romantisierte Nicht-Orte (Non-Lieux) oder
Un-Dinge.
Das eigentliche Thema und die verbindende strukturelle Affinität
der Fotografien bilden die titelgebenden Flächen: konkret raumbegrenzende
Ebenen (Wände) oder stereometrische, also selbst räumlich-körperliche
Gebilde (Platten oder geknickter Karton). Insofern arbeitet Holzer an
einer zeitgemäßen fotografischen Modifikation eines alten Paradigmas
bildlicher Raumdarstellung, der Abstraktion bzw. Illusion von Raum durch
Flächenmuster.
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LISA HOLZER, Aus der 5-teiligen Serie
»Einige freie Flächen«, 2001. C-Prints auf Aluminium, je 34,6 x 48
cm. |
Einzelne Elemente, wie zwei Legoplatten neben einer abgebrochenen Styroporecke,
das fehlende Feld einer Deckenverkleidung oder eine sich lösende
Boden-Verlegeplatte, sind als solche durchaus erkenn- und lesbar. Hier
also stellt die indexikalische fotografische Aufzeichnung ihre individualisierenden
Einzelheiten bereit eben nicht nur Flächen (schlechthin),
sondern »einige« (konkrete), wenn auch nicht bis in jede Einzelheit
fixierte Flächen-Raum-Gebilde.
Und genau hier kann eine Charakterisierung erfolgen, die die Thematik
um eine gleichsam narrative Dimension erweitert, die auch auf die besondere
Zeitgebundenheit der Fotografie verweist: Diese Flächen sind allesamt
gebrauchte, nicht (mehr) makellose oder sogar schäbige somit
(ehemals) bestimmte. Andererseits aber auch momentan leere oder noch zu
füllende »Raumansätze« ohne Referenz und Kontexte.
Wenn Holzer diese Leerstellen als »offene Handlungsfelder«
bezeichnet, nimmt sie damit auch politische Aspekte in den weiteren Blickwinkel
ihrer Arbeit.
© Marie
Röbl, 2008 / www.textezurfotografie.net
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